Außenminister Sergej Lawrow wirft dem Westen vor, eine weit verbreitete "Russophobia" zu pflegen. Dieser Vorwurf entstand nach einer Debatte in Deutschland, die durch eine kontroverse Frage des FAZ-Journalisten Michael Martens an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ausgelöst wurde. Martens fragte, wie Europäer der Ukraine helfen könnten, mehr russische Soldaten zu töten. Russische Behörden stellten daraufhin einen internationalen Haftbefehl gegen Martens aus, und Außensprecherin Maria Sacharowa bezeichnete seine Aussage als kriminell und als Dehumanisierung von Russen. Lawrow verband dies mit einem Vorwurf der Nazismus-Renaissance in Deutschland.
Die Analyse unterscheidet zwischen Verachtung der russischen Staatspolitik und Hass auf das russische Volk. Tschechen, Ukrainer und andere unterscheiden klar zwischen "den Russen" als Volk und dem russischen Staat. Dies unterscheidet sich grundlegend von Antisemitismus oder Fremdenfeindlichkeit, da Juden oder Ausländer keine kollektive politische Einheit bilden. Es gibt keine vergleichbare Verschwörungstheorie über Russen, die einem globalen Plot entspräche wie antisemitische Stereotype.
Umfragen der Pew-Stiftung zeigen ein gemischtes Bild: Die Antipathie gegen Russland stieg im Westen nach 2022 an, während die Sympathie in großen Teilen Afrikas, Südamerikas und Indonesiens wuchs. Lawrows Versuch, Russophobia mit Antisemitismus gleichzusetzen und Russen als Opfer darzustellen, gilt daher als weitgehend unbegründet, besonders angesichts der unterschiedlichen globalen Wahrnehmung Russlands.
Kernpunkte:
- Sergej Lawrow behauptet, dass "Russophobia" ein in Europa verbreitetes Phänomen ist.
- Der FAZ-Journalist Michael Martens fragte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, wie Europäer der Ukraine helfen könnten, mehr russische Soldaten zu töten.
- Russische Behörden stellten einen weltweiten Haftbefehl gegen Michael Martens aus.
Quelle: Berliner Zeitung (Deutsch)
