Aussenminister Johann Wadephul traf sich in New York mit dem russischen Aussenminister Sergei Lavrov – ein Schritt, der von Deutschlands bisheriger aussenpolitischer Linie abwich, wonach Verhandlungen mit Russland an eine Waffenruhe geknüpft sein sollten. Lawrow nutzte das Treffen zur Verhöhnung Deutschlands und verbreitete wie gewohnt Propaganda über angebliche Neo-Nazis in der Ukraine sowie Lügen über russische Kriegsverbrechen, während Wadephul mit seinen Appellen schwach wirkte.
Trotzdem argumentiert der Kommentar, dass das Treffen richtig war. Für Deutschland und Europa ist es strategisch wichtig, Kontaktkanäle zu Russland auf hoher politischer Ebene offenzuhalten. Dies gilt umso mehr angesichts zunehmender russischer Provokationen in Europa: eine mit Sprengstoff bestückte Drohne am Flughafen Leipzig, der Abschuss einer russischen Drohne über Litauen durch ein Nato-Flugzeug und Anschläge auf die Bahnstrecke Kiew-Warschau, auf der europäische Politiker unterwegs waren. Europäische Hauptstädte rechnen damit, dass Russland bereits 2029 die Nato an der Ostflanke testen könnte.
Rüstung und Diplomatie sind keine Gegensätze, sondern beide notwendige Antworten auf russische Aggression. Die europäischen Staaten müssen auf Russlands Imperialismus mit Aufrüstung reagieren und gleichzeitig diplomatische Lösungen bevorzugen.
Kernpunkte:
- Der russische Aussenminister schlachtet das Gespräch mit Johann Wadephul aus und verhöhnt Deutschland.
- Das Treffen war richtig.
- Deutschland brach dafür mit der aussenpolitischen Linie, dass Verhandlungen mit Russland an die Bedingung einer Waffenruhe geknüpft sein müssten.
Quelle: NZZ (Deutsch)
