Trotz der festgefahrenen russischen Militäroperation in der Ukraine warnt ein Kommentar vor einer realistischen Bewertung der wachsenden Bedrohung für die NATO und Europa. Während eine unmittelbare direkte militärische Konfrontation kurzfristig unwahrscheinlich ist, häufen sich Berichte über Luftraumverletzungen durch Russland sowie mysteriöse Sabotage– und Brandanschläge mit Spuren nach Moskau. Die CIA-Führung unter Ratcliffe beschreibt ein Szenario, in dem ein Angriff auf NATO-Territorium ab Herbst möglich ist. Der Westen müsse daher Hysterie und Sorglosigkeit vermeiden.
Moskaus Strategie zielt darauf ab, die Waffenversorgung der Ukraine zu beeinträchtigen und Europäern einen höheren Preis für ihre Unterstützung Kiews aufzuzwingen — erkennbar an Angriffen auf Flughäfen und Rüstungsfabriken in Leipzig, Bayern, Bulgarien, Estland, Polen und der Slowakei. Indes zeigt sich die westliche Reaktion schwach: Deutschland setzte nach dem Anschlag auf den Flughafen Leipzig keine roten Linien, Frankreich setzte die Aufhebung von EU-Sanktionen gegen Kremlin-nahe Oligarchen durch, und Präsident Trump behandelt Russland ausgesprochen mild, indem er den CIA-Chef nach Moskau sandte und Putin zum G-20-Gipfel in Florida einlud.
Obwohl Russlands Streitkräfte trotz enormer Verluste größer sind als zu Beginn des Ukraine-Krieges und die Produktion von Marineflugkörpern und Langstreckenraketen erheblich gestiegen ist, fehlt der NATO ausreichender Schutz. Militärische Simulationen zeigen, dass eine in Drohnenkriegsführung trainierte Invasionsarmee konventionelle NATO-Einheiten schnell außer Gefecht setzen kann. Daher bleibt Ukraine Europas wichtigstes Schutzschild — ein Waffenstillstand ohne Sturz des Putin-Regimes würde keinen echten Frieden bringen.
Kernpunkte:
- Russlands Militär steckt in der Ukraine fest.
- Putin sieht sich im Krieg mit dem gesamten Westen.
- Berichte über Verletzungen des NATO-Luftraums durch Russland nehmen zu.
Quelle: NZZ (Deutsch)
