Resilienz


Was ist Resilienz? – Von der Risikoanalyse zur Widerstandsfähigkeit

Resilienz ist mehr als Robustheit. Sie beschreibt die Fähigkeit eines Systems, trotz Störungen handlungsfähig zu bleiben und sich nach einem Schock funktional zu erholen. Im Kontext der gesamtstaatlichen Verteidigung bedeutet Resilienz: vorbereitet sein, wenn Systeme ausfallen, Versorgung stockt oder Infrastruktur beschädigt wird.

„Resilienz und Sicherung des Friedens ruhen bewusst auf gesamtstaatlicher und gesamtgesellschaftlicher Teilhabe und Verantwortung. Nur zusammen gedacht und gehandelt kann der OPLAN DEU zeitgerecht ausgelöst und zivil angemessen unterstützt werden.“

Generalleutnant Sollfrank

Das Konzept umfasst technische, organisatorische und gesellschaftliche Dimensionen:

  • Technisch: Redundante Systeme, Notstromversorgung, Robustheit gegen Cyberangriffe
  • Organisatorisch: Krisenpläne, Notfallteams, Alarmierungsketten
  • Gesellschaftlich: Kommunikationsfähigkeit, Selbsthilfefähigkeit, Vertrauen

Resilienz kann nicht „von oben“ verordnet werden. Sie entsteht in den Strukturen selbst. Deshalb braucht es eine Resilienzarchitektur, die KRITIS-Betreiber, Behörden, Bevölkerung und Sicherheitsakteure verbindet. Übungen, Partnerschaften und klare Rollenverteilung sind entscheidend.

Deutschland resilient machen – aber wie?

Generalleutnant Alexander Sollfrank nennt vier zentrale Fähigkeiten, die eine resiliente Gesellschaft im Sinne der Verteidigungsfähigkeit benötigt:

  • Robustheit gegen Cyberangriffe
  • Ausreichende Reserven (Material, Energie, Personal)
  • Redundante Strukturen (z. B. alternative Transportwege)
  • Agilität von Behörden und Unternehmen

Resilienz muss gemeinsam mit zivilen und militärischen Akteuren aufgebaut werden. Das Grundgesetz kennt den Zustand des hybriden Krieges nicht – umso wichtiger ist ein gesamtstaatliches Lagebild, das als Entscheidungsbasis für wirksame Schutzmaßnahmen dient.

Eine besondere Notwendigkeit liegt daher auf:

  • Stresstests & Planspielen (z. B. Blackout-Simulationen)
  • Branchenübergreifender Kooperation
  • Erfassung & Schutz systemkritischer Lieferbeziehungen (z. B. Kühlketten in der Arzneimittelversorgung)

Verantwortung von Staat, Politik und Gesellschaft

Resilienz entsteht im Zusammenspiel von Militär, Politik und Gesellschaft:

  • Die Politik muss wissen, unter welchen Bedingungen militärisches Handeln möglich ist – und wo Verzögerungen Risiken erzeugen
  • Das Militär wiederum muss die politischen Entscheidungslogiken verstehen, um Unterstützung zur richtigen Zeit abfordern zu können

Gleichzeitig trägt jeder Einzelne Verantwortung:

Bürgerinnen und Bürger sollten bestrebt sein, die eigene Verletzlichkeit zu reduzieren.

Das bedeutet: Notfallpläne kennen, Vorsorge betreiben, Informationen einholen.

Denn erfolgreiche Verteidigung ist nicht nur eine staatliche, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Ein robustes gesamtstaatliches Lagebild – also ein gemeinsames Bild von Bedrohungen, Schwachstellen und Ressourcen – ist dabei die Grundlage für die richtigen Entscheidungen. Nur so können im hybriden Raum entschlossene und wirksame Maßnahmen ergriffen werden – auch wenn das Grundgesetz selbst den Zustand des „hybriden Kriegs“ bisher nicht kennt.

Was macht Infrastrukturen wirklich widerstandsfähig?

Organisatorische Resilienz beginnt nicht erst im Krisenfall, sondern muss proaktiv in Strukturen, Abläufe und Entscheidungsprozesse integriert werden. Das Modell organisationaler Krisenresilienz (Kerstan & Röhl, 2022) zeigt, dass allein technische Schutzmaßnahmen nicht genügen.

Stattdessen kommt es auf das Zusammenspiel von Wahrnehmungsfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit, Handlungsfähigkeit und Lernfähigkeit an – sowohl in Organisationen als auch im übergeordneten Systemverbund.

Widerstandsfähige Strukturen zeichnen sich durch folgende Fähigkeiten aus:

  • Risiken erkennen: Frühzeitige Lagebilder und Szenarien
  • Handeln können: Klare Zuständigkeiten und Entscheidungswege
  • Flexibel bleiben: Ausweichoptionen, Umleitungen, Notbetrieb
  • Lernen aus der Krise: Evaluation und Anpassung nach Ereignissen

Diese vier Dimensionen sind nur dann wirksam, wenn sie institutionell verankert und durch Übungen, Kommunikation und Führung gestützt werden.

Modell organisationaler Krisenresilienz

Das folgende Schaubild (Kerstan & Röhl, 2022) visualisiert die zentralen Fähigkeiten resilienter Organisationen im Infrastrukturbereich. Es macht deutlich: Resilienz ist kein Zustand, sondern ein Prozess aus Erkennen, Entscheiden, Handeln und Lernen – eingebettet in Kommunikation und Führung. Die Bewertung der Bewältigungsfähigkeit lässt sich sowohl für Unternehmen als auch für Kommunen vornehmen.



Robust – redundant – vorbereitet: Was braucht es im Ernstfall?

  • Robustheit bedeutet Widerstandsfähigkeit gegen Angriffe oder Ausfälle (z. B. gepanzerte Netzwerke, gehärtete Systeme)
  • Redundanz meint doppelte Wege oder Systeme, um bei Ausfall weiter funktionsfähig zu bleiben (z. B. zwei Leitungen, zwei Rechenzentren)
  • Reserven sind zusätzliche Ressourcen, die im Normalbetrieb nicht genutzt werden, aber im Krisenfall entscheidend sein können (z. B. Dieselvorräte, Personalpools, Leerstände)

Nur wenn diese drei Elemente zusammengedacht werden, kann Resilienz auch praktisch umgesetzt werden – sei es im Krankenhaus, im Netzbetrieb oder auf kommunaler Ebene.

Weiterführende Informationen

Hier finden Sie eine Literatursammlung mit Quellen, Dokumenten und weiterführenden Informationen zum Thema OPLAN und Verteidigungsfall.