Sozialverbände warnen vor unkontrollierter Einführung von Zivildienst

Wohlfahrtsverbände wie die Arbeiterwohlfahrt (AWO) appellieren an die Bundesregierung, den bestehenden Bundesfreiwilligendienst (BFD) nicht durch ein unkoordiniertes neues Zivildienstsystem zu beschädigen. Sie befürchten, dass ein möglicherweise besser bezahlter Zivildienst etablierte freiwillige Dienste verdrängen und deren Attraktivität schwächen könnte. Die Debatte wird durch die Regierungspläne zur Wiedereinführung der Wehrpflicht und eines damit verbundenen Ersatzzivildienstes angeheizt.

Die AWO-Abteilungsleiterin Susanne Rindt fordert zeitnahe Vorbereitung und klare finanzielle Regelungen, um Verdrängungseffekte zu vermeiden. Katharina Slanina von Volkssolidarität Brandenburg argumentiert, dass Zivildienstleistende weniger wertvoll für ihre Organisation wären als hochmotivierte Freiwillige. Das Bundesfamilienministerium führt derzeit Gespräche mit großen Verbänden über mögliche Plätze für Zivildienstleistende.

Die Bundesregierung hatte 2011 die Wehrpflicht ausgesetzt und damit auch den Zivildienst beendet. Ein zum 1. Januar in Kraft getretenes Gesetz führt nun militärische Registrierung und Musterung für 18-jährige Männer wieder ein und ermöglicht bei Bedarf eine gezielte Wehrpflicht. Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa warnt, dass ein neuer Zivildienst unter diesen Bedingungen nur eine "Fußnote" wäre und zahlenmäßig mit seinem Vorgänger nicht vergleichbar.

Kernpunkte:

  • Der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) appelliert an die Bundesregierung, den bestehenden Bundesfreiwilligendienst (BFD) nicht durch ein unkoordiniertes neues Zivildienstsystem zu beschädigen.
  • AWO-Abteilungsleiterin Susanne Rindt fordert, dass es keine Verdrängung oder ungleiche Behandlung von Freiwilligendienstleistenden geben sollte.
  • Rindt fordert eine zeitnahe Vorbereitung für die Einführung von Zivildienst und klare finanzielle Regelungen.

Quelle: rbb24 — Politik (Deutsch)