Deutschland plant Rekordverschuldung von 565 Milliarden Euro – Ökonomen streiten über Wachstumseffekte

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Deutschland will 2027 etwa 203 Milliarden Euro neue Kredite aufnehmen und rund 362 Milliarden Euro alte Schulden refinanzieren, insgesamt 565 Milliarden Euro am Kapitalmarkt. Die Zinsausgaben sollen von 41,9 Milliarden Euro 2027 auf 80,7 Milliarden Euro 2030 steigen.

Ökonom Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle warnt vor unkontrolliertem Wachstum der Staatsfinanzen durch gelockerte Schuldenbremsenregeln, insbesondere weil Rüstungsausgaben unbegrenzt ausgenommen sind. Achim Truger von der Universität Duisburg-Essen bestreitet eine unmittelbare Schuldenfalle und kritisiert stattdessen die Schwerpunktsetzung auf Rüstung statt Infrastruktur – eine Euro Infrastrukturinvestition bringe 1,50 Euro Wirtschaftsertrag, während eine Euro Rüstungsausgaben nur 50 Cent generiere.

Joachim Ragnitz sieht das Kernproblem nicht in der Verschuldung selbst, sondern in ihrer mangelnden wirtschaftlichen Produktivität. Gunther Schnabl zweifelt daran, dass staatliche Kreditausgaben nachhaltiges Wachstum fördern können, und fordert stattdessen Bürokratieabbau, Deregulierung und Steuererleichterungen.

Kernpunkte:

  • Der Bund plant, 2027 etwa 203 Milliarden Euro neue Kredite aufzunehmen, inklusive Spezialfonds.
  • Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) muss etwa 362 Milliarden Euro alte Schulden refinanzieren.
  • Der Bund beabsichtigt, insgesamt 565 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufzubringen.

Quelle: Berliner Zeitung (Deutsch)