Russland-Experte Matthias Uhl ist der Überzeugung, dass Wladimir Putin zunehmend von der Realität entkoppelt ist. Der Westen überschätze Russlands Militärkraft erheblich, argumentiert Uhl: Während Russland gefährlich bleibe, sei es nicht so mächtig wie oft in der westlichen Wahrnehmung und in der NATO dargestellt. Der Ukrainekrieg habe die Unwirksamkeit von Russlands Rüstungsanstrengungen demonstriert. Die Vorstellung von Tausenden neuer Panzer und einer russischen Kriegsmaschinerie, die Europa überrennen könnte, entspreche nicht der Realität.
Uhl zufolge hat Russland einen strategischen Niedergang erlitten, der das Land viele Jahre belasten wird. Die russische Mobilisierungssystem arbeite ineffizient, und Waffen wie der nuklearangetriebene Torpedo Poseidon seien eher Propagandainstrumente mit großen praktischen Einschränkungen. Europa müsse sich dennoch auf eine neue geopolitische Ära vorbereiten und sich auf moderne Kriegführung konzentrieren – insbesondere auf Drohnenabwehr statt nur auf traditionelle schwere Bewaffnung. Deutschland solle als Aufmarsch-, Logistik- und Durchhaltebasis für zusätzliche Kräfte in Polen und den baltischen Staaten fungieren.
Kernpunkte:
- Putin ist zunehmend von der Realität entkoppelt.
- Russlands Militärstärke wird vom Westen überschätzt.
- Russland ist militärisch gefährlich, aber nicht so stark wie oft im Westen und in der NATO dargestellt.
Quelle: NZZ (Deutsch)
