Lettland wählt am Samstag ein neues Parlament in einem geopolitisch angespannten Umfeld. Die Regierung unter Andris Kulbergs wird voraussichtlich im Amt bleiben, doch rechtspopulistische Parteien wie "Lettland zuerst" legen in den Umfragen deutlich zu. Trotz dieser Verschiebungen bleibt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung pro-EU und pro-NATO.
Das Land verschärft seine Sprachenpolitik erheblich: Russisch ist aus Schulen und öffentlichen Rundfunkanstalten verbannt, und es gelten neue verbindliche Anforderungen an Latvischkenntnisse – wer diese nicht erfüllt, muss das Land verlassen. Etwa 80 Prozent der Betroffenen sind Frauen über 65, die während der sowjetischen Zeit als Arbeitskräfte ins Land kamen. Diese Maßnahmen sind historisch begründet: Von 1940 bis 1990 gehörte Lettland zur Sowjetunion, Stalin deportierte 140.000 Letten, und eine massive Russifizierungspolitik senkte den Anteil der Latvischsprachigen von 80 Prozent (1945) auf 52 Prozent (1989).
Angesichts von Sicherheitsbedenken – Experten fürchten einen möglichen russischen Angriff im Baltikum – erhöht Lettland seine Verteidigungsausgaben auf fast fünf Prozent des BIP. Das Land grenzt an Russland und hat eine bedeutende russischsprachige Minderheit, in Daugavpils sprechen 80 Prozent der Bevölkerung Russisch zu Hause. Darüber hinaus kämpft das Land mit Herausforderungen wie Bildung, Gesundheitswesen und einer alternden Bevölkerung, während massive russische Propagandakampagnen auf Plattformen wie TikTok und YouTube laufen.
Kernpunkte:
- Lettland wählt am Samstag ein neues Parlament.
- Lettland grenzt an Russland und hat eine russischsprachige Minderheit.
- Sicherheitsexperten fürchten, dass der nächste russische Angriff im Baltikum stattfinden könnte.
Quelle: SRF News (Deutsch)
