Die globale Ordnung der Seeschifffahrt ist zunehmend gefährdet. Staaten, die bereit und in der Lage sind, Machtinstrumente einzusetzen, können strategische Meerengen wie die Straße von Hormuz bedrohen. Etwa 80 bis 90 Prozent des Welthandels werden per Schiff transportiert, und über 95 Prozent des globalen Datenverkehrs laufen durch Unterseekabel. Zwischen Februar und Juni 2026 stiegen die Rohölpreise weltweit um etwa 60 Prozent und europäische Gaspreise um fast 50 Prozent; Russland verdoppelte seine Öleinnahmen im April 2026.
Somalische Piraten haben Handelsschiffe massiv gestört, die Huthis griffen zwischen Oktober 2023 und 2025 178 Schiffe an, und die Ever Given blockierte 2021 sechs Tage lang den Suezkanal. Russland versucht, die arktische Nordostpassage als Territorialgewässer zu beanspruchen, China setzt nationale Ansprüche in der Taiwanstraße und der Südchinesischen See durch, und Unterseekabel sind zunehmend Ziel absichtlicher Beschädigungen.
Deutschland und Europa müssen ihre Sicherheitspolitik anpassen und in Zusammenarbeit mit europäischen Partnern ihre militärischen Fähigkeiten stärken. Der Schutz internationaler Seewege ist laut dem neuen Gesamtkonzept für die militärische Verteidigung eine militärisch-strategische Priorität. Indonesiens Finanzminister Purbaya Yudhi Sadewa stellte die Erhebung einer Transitgebühr für die Straße von Malakka in Frage.
Kernpunkte:
- Seewege sind anfällig und die globale politische und wirtschaftliche Ordnung ist fragil.
- Akteure, die bereit und fähig sind, Machtinstrumente einzusetzen, können strategische Meerengen bedrohen.
- Deutschland sollte sich mit europäischen Partnern dieser Realität der Machtpolitik anpassen.
Quelle: SWP (Englisch)
